| Photonenrakete nach E. Sänger |
| Geschrieben von Erwin Huber | |
| Tuesday, 31 October 2006 | |
|
Die Energiedichte von Treibstoffen ist nach wie vor ein Problem in der Raumfahrt. Eine signifikante Ausnahme bildet die Zerstrahlung von Materie in Energie, wie sie z.B. bei der Materie-Antimaterie-Annihilation vorkommt. Schon in den Anfängen der Raumfahrt wurde diese ungeheure, als möglicherweise für den Raumtransport nutzbare Energiemenge von Eugen Sänger erkannt. Unter Annihilation versteht man die gleichzeitige Zerstrahlung äquivalenter Mengen Materie und Antimaterie, bei der nach der Einstein'schen Formel die Energie E=mc² für die Gesamtmasse m freigesetzt wird. Sänger schlug vor, Elektronen und Positronen zerstrahlen zu lassen und dabei die resultierenden Gamma-Quanten zur Schuberzeugung zu nutzen. Diese Quanten haben jedoch entgegengesetzte Impulse, so daß der Nettoschub Null wäre. Deshalb ist es nötig, einen Reflektor für die Quanten zu verwenden, der in der Lage ist, die äußerst kurzwelligen Quanten zu reflektieren. Reflektoren für hochenergetische Gammastrahlung können aber zur Zeit nicht realisiert werden. Vielversprechender sind Antriebe auf der Basis der Protonen-Antiprotonen-Annihilation. Hierbei entstehen beim Zerfall zunächst noch energiereiche Zwischenprodukte, die sich ähnlich wie die Gamma-Quanten der Elektron-Positron-Zerstrahlung direkt für den Vortrieb verwenden ließen. Solche Antriebe haben zwar einen sehr hohen spezifischen Impuls, gleichzeitig aber auch einen relativ kleinen Schub und erfordern ungewöhnlich lange Düsen. GTS Eine andere Möglichkeit besteht in der Aufheizung eines Trägergases durch die Zerfallsprodukte auf hohe Temperaturen und die anschließende Expansion durch eine Düse. Die erreichbaren Temperaturen sind dabei wesentlich höher als diejenigen, die mit chemischen Antrieben erreicht werden können. Dieser Antrieb vereint also hohe Brennkammertemperaturen (= hohe Ausströmgeschwindigkeit) mit einem hohen Massendurchsatz (= hoher Schub), wie er von chemischen Triebwerken erreicht wird. Es erscheint daher interessant zu sein, einen solchen Antrieb näher zu untersuchen, nicht zuletzt weil die Reaktionen der Zerfälle hinreichend bekannt sind und die Aufheiz- und Ausströmvorgänge schon heute numerisch simuliert werden können. Solch ein Antrieb wurde u.a. von Cassenti vorgestellt und arbeitet intermittierend. Zunächst ist die Brennkammer mit Wasserstoffgas gefüllt . Zur Aufheizung wird eine kleine Menge Antiprotonen eingeschossen, die im Zentrum der Kammer annihilieren. Die Zerfallsprodukte werden durch starke Magnetspulen im Triebwerk gehalten und heizen den Wasserstoff durch Stöße auf. Sobald das sich bildende Plasma heiß genug ist, wird die magnetische Flasche geöffnet und das Gas verläßt das Triebwerk durch eine konventionelle Lavaldüse. Dieser Vorgang wiederholtsich periodisch, wobei die Aufheizung nur Sekundenbruchteile dauert. |