| Religion & Magie im Alten Ägypten |
| Geschrieben von Frank Lerch | |
| Monday, 23 July 2007 | |
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Magie ist der ägyptischen Religion nicht entgegengesetzt, sondern essentieller Bestandteil des religiösen Lebens der Ägypter und durch Amulettfunde bis ins frühe 4. Jahrtausend v. Chr. belegt. Vielmehr sind Religion und Magie in Ägypten eine unauflösliche Verbindung eingegangen. Eine Unterscheidung in geweihte Priester und professionelle Magier lässt sich daher für Ägypten nicht aufrecht erhalten.
Die meisten ägyptischen Priester waren bezahlte Spezialisten für bestimmte magische „Dienstleistungen“. Gleichzeitig bestand der Hauptteil des Tempeldienstes in für das Wohl des Staates vollzogenen Kulthandlungen, die überdeutlich den Charakter ritueller Magie aufweisen. Man kann getrost sagen, dass in Ägypten über 3000 Jahre lang praktische Magie ein täglicher Bestandteil der Staatsgeschäfte gewesen ist. Dabei verließen sich die Ägypter, wie deutlich belegt ist, nicht auf die Magie allein. Sie war ein bedeutendes Feld des Handelns unter anderen, ebenso bedeutenden Feldern. Die Ägypter waren sorgfältig in vielen Belangen ihes Lebens, und sie bemühten sich, keinen Bereich des Seins zu vernachlässigen. Jedes Phänomen hatte mehrere Seiten und existierte und wirkte auf mehreren Ebenen, die alle auf ihre eigenen Weisen berücksichtigt wurden. So wandten die Ägypter ihre Magie z.B. bei Gesundheitsproblemen an, während sie sich gleichzeitig einer medizinischen Behandlung unterzogen. Sie benutzten ihre Magie auch im Kampf gegen Feinde, selbst wenn sie ihnen militärisch und technologisch weit überlegen waren. Diese prophylaktische Anwendung der Magie ist nicht etwa Ausdruck eines Mißtrauens der Ägypter in ihre eigenen Fertigkeiten. Sie entspringt der Erkenntnis der Ägypter um die Brüchigkeit der geschaffenen Welt, der Ahnung und Sorge, das Nichtsein könne an irgendeinem Punkt auf irgendeiner Ebene in Dasein treten und das Sein vernichten. Gerade dort, wo das Sein sich wie die Sonne an jedem Morgen erneuert, also in Zeiten der Krisis, ist die Grenze, die das Sein vom Nichtsein trennt, besonders dünn und zerbrechlich. Daher ist es nur folgerichtig, dass die Ägypter neben der regelmäßigen, präventiv wirkenden rituellen Magie auch magische Anwendungen für „kritische“, spezifische Probleme und Situationen kannten. Zu diesen zählen neben Schwangerschaft, Geburt und Tod auch plötzlich eintretende Krankheiten und unerwartete Lebenskrisen. Alle für solche Fälle praktizierte Magie ist in Übereinstimmung mit der grundlegenden ägyptischen Vorstellung, dass die Welt durch Erneuerung erhalten und das Band zwischen Mensch und Göttern stets von neuem bestätigt werden muss. |