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Glenn Gould - ein exzentrischer Polarisierer am Klavier
Geschrieben von Andreas Reer   
Thursday, 11 January 2007

Für viele Klaviermusikliebhaber gilt er immer noch als der Bach-Interpret par exellence. Doch der kanadische Pianist und Komponist Glenn Gould (1932-1982) hat es schon zu Lebzeiten verstanden, neben glühenden Verehrern seiner Kunst auch Unverständnis und Ablehnung durch sein ungewöhnliches Klavierspiel hervorzurufen. Und so teilt sich bis heute, über 20 Jahre nach dem Ableben des Virtuosen, die Musikwelt in Gould-Verehrer und Gould-Ablehner.

Vor allem sein mechanistisch anmutendes Spiel und die Wahl zum Teil extremer Tempi brachten ihm den Ruf, ein Paradiesvogel unter den Pianisten seiner Zeit zu sein. Seine größten Erfolge feierte er mit Interpretationen der Klavierwerke J. S. Bachs, er tat sich aber auch als Interpret der klassischen Moderne (Schönberg, Webern, Berg) hervor. Diese Musik erhält durch sein mechanistisches Spiel eine Struktur, Klarheit und Präsenz, wie sie nur von wenigen Pianisten dieser Zeit erreicht wird.

Sein ohnehin schwieriges Verhältnis zu Publikum und Kritiker verschärfte sich, als er sich im Jahr 1964 entschloss, kein öffentliches Konzert mehr zu geben. Ab diesem Zeitpunkt widmete er sich hauptsächlich aufwändigen Studioproduktionen und Klangexperimenten, zum Teil in seinem eigenen Tonstudio. Er gilt als einer der ersten Pianisten, der die Aufnahmetechnik als Teil der Interpretation auffasste und versuchte, mithilfe der Technik seinem Klangideal näher zu kommen. Seine Angewohnheit, Themen und Melodiebögen während der Interpretation leise mitzusummen, ist zu seinem Markenzeichen geworden und auf zahlreichen Aufnahmen hörbar dokumentiert.

Sein oftmals schwieriges Verhältnis zu anderen Menschen war vielleicht ausschlaggebend, dass Glenn Gould nicht wie viele andere Künstler seiner Zeit als Klavierlehrer in Erscheinung trat und sein pianistisches Können in Form von Klavierunterricht weitergab.