|
Der Autistic Pride Day wird jährlich am 18. Juni gefeiert. An diesem
Tag wird Autismus als wünschenswerter Teil menschlicher Vielfalt
gefeiert und Autisten wehren sich gegen die Pathologisierung von Autismus. 2005 lautete das Motto "Akzeptanz statt Heilung", 2006 "Feiert neurologische Vielfalt".
Unsere Gesellschaft - besonders deutlich wird das in der Medizin -
scheint anzunehmen, dass jedes menschliche Gehirn identisch sein müsse
und das jegliche Abweichungen pathologisch seien und deshalb "geheilt"
werden müssten, um eine Konformität zur Norm zu erreichen.
Der Autistic Pride Day wurde in Anlehnung an den Gay Pride Day
(Christopher Street Day) erdacht. Auch Schwule und Lesben wurden einmal
pathologisiert und haben sich erfolgreich dagegen gewehrt. Durch den
Autistic Pride Day hoffen Autisten einen ähnlichen Aufklärungsprozess
in Gang zu setzen.
Grundlegend in der Autistic-Pride-Bewegung ist die ablehnende Haltung
gegenüber einer Heilung. Autisten mit dieser Perspektive sind der
Meinung, dass Autismus keine Störung ist, sondern eine Variation in der
neurologischen Verdrahtung. Sie sind der Meinung, dass Autismus ein
grundlegender Teil dessen ist, was sie sind und nicht von der Person
getrennt werden kann. Aus diesem Grund ziehen sie es vor, "Autisten"
oder "autistische Menschen" genannt zu werden anstatt "Menschen mit
Autismus", denn letzteres impliziert, dass Autismus etwas ist, das von
der Person abgetrennt und entfernt werden könnte. Eine sogenannte
"Heilung" würde demnach die Persönlichkeit des autistischen Individuums
zerstören, sie zwingen, neurologisch-typisches (nicht-autistisches)
Verhalten nachzuahmen, womit sie sich aber nicht wohlfühlen.
Autisten, die gegen die Vorstellung einer Heilung sind, sind der
Meinung, dass die Eigenheiten und die Einzigartigkeit von autistischen
Menschen genauso toleriert werden sollten wie die Unterschiedlichkeiten
anderer Minderheitengruppen.
Zum Autistic Pride Day 2006 veranstalten autistische Menschen verschiedene Treffen, Picknicks und Museumsbesuche.
Vielleicht wird das Autismus-Bild der Öffentlichkeit über Autismus,
dass immer noch durch den Film Rainman geprägt ist, sich ändern, wenn
der Film Snow Cake in die deutschen Kinos kommt. Eine der Hauptrollen
ist eine Frau mit High-Functioning-Autismus namens Linda. Im nächsten
Jahr wird vermutlich der Film "Mozart and the Whale" zu sehen sein, der
von einem Paar mit Asperger-Syndrom/High-Functioning-Autimus erzählt.
|