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Barrierefreies Webdesign
Geschrieben von Josef Willkommer   
Saturday, 31 March 2007

Barrierefreies Webdesign - Fluch oder Segen? 

Der Begriff Barrierefreies Webdesign ist mittlerweile immer häufiger zu hören. Was verbirgt sich dahinter? Während im Alltagsleben mit dem Begriff „Barrierefreiheit“ auf körperliche Behinderungen Bezug genommen wird, ist die Bedeutung im Hinblick auf das Internet sehr viel weiter gefasst.

Sowohl körperbehinderte als auch gesunde Menschen sollen eine Website ihren Vorgaben entsprechend ohne Einschränkungen betrachten und darin navigieren können. Die Agentur TechDivision aus Rosenheim hat Erfahrung mit der Umsetzung barrierefreier Webseiten.

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia schreibt über die Barreierefreiheit im Internet, dass man darunter Web-Angebote versteht, die von allen Interessierten unabhängig von körperlichen bzw. technischen Möglichkeiten uneingeschränkt genutzt werden können. Demzufolge beinhaltet dies auch Menschen, die beispielsweise andere Zugangsvoraussetzungen mitbringen, indem sie ein anderes Betriebssystem verwenden oder über ein Handy auf die Seite zugreifen.

Im Wesentlichen beinhaltet barrierefreies Webdesign folgende Punkte:

•    Ausschalten möglicher Barriere zur vollständigen Nutzung des Webangebotes
•    Intuitive und leicht zu bedienende Navigation
•    Übersichtlicher und klarer Seitenaufbau
•    Integration von beschreibenden Texten bei Grafiken und Bildern
•    Verständlicher Inhalt und klare Sprache
•    Skalierbare Texte
•    Browserkompatible Formate
•    Eigenständige Druckfunktion
•    Vollständige Trennung von Layout und Inhalten
•    Geringe Ladezeiten

Die Verwendung von JavaScripts, Java-Applets oder Programmen wie Flash, die ein extra zu installierendes PlugIn erforderlich machen, ist zwar mittlerweile gängig, wird jedoch unter anderem aus Sicherheitsgründen nicht von jedem Nutzer toleriert. Da mit jedem Gebrauch und Download notwendiger Zusatzprogramme das Risiko steigt, sich z.B. Viren oder Trojaner einzufangen, gehören Scripts & Co. nicht zu barrierefreiem Webdesign.

Aber insbesondere Flashseiten haben noch einen weiteren Nachteil: sie sind in häufig als Gesamtobjekt in eine HTML-Seite integriert und können daher nicht von Suchmaschinen ausgelesen werden. Auch für blinde Besucher sind Websites, die mit Flash und ähnlicher Software erstellt wurden, ein Hindernis. Blinde benutzen Programme mit deren Hilfe sie sich Websites vorlesen und/oder in Braille-Schrift ausdrucken lassen können. Der Inhalt eines Flash-Films - und damit der Inhalt der Website - bleibt diesen Hilfsprogrammen verborgen. Sie können dies leicht mit der kostenlosen Screenreader Software WebSpeech simulieren.

Auch Menschen, die „nur“ eine Sehschwäche aufweisen, können beim Betrachten einer Homepage schnell an Grenzen stoßen, z.B. dann, wenn Schriften zu klein gehalten und nicht skalierbar sind und die Seite dadurch nur mit Mühe gelesen werden kann; oder wenn mit Farbkontrasten gearbeitet wurde, die z.B. für Rot-Grün-Farbenblinde problematisch werden könnten.

Um all die Kriterien für barrierefreies Webdesign zu erfüllen, muss also der Funktionalität mehr Wert beigemessen werden als der optischen Gestaltung, was zunächst widersprüchlich scheint. Dennoch lassen sich mit validem (X)Html und CSS (Cascading Style Sheets) durchaus ansprechende aber gleichzeitig auch barrierefreie Internet-Seiten erstellen.

Barrierefreies Webdesign bedeutet ebenso, dass die Seite auf jedem Internet-Browser auf allen web-fähigen Geräten - PC-Monitor, Handy, PDA - betrachtet werden kann. Dies ist nicht immer ganz einfach, da sich leider nicht alle Browser an die weltweit anerkannten Internet-Standards halten.
Völlige Barrierefreiheit im Internet wird daher kaum erreichbar sein. Die Notwendigkeit barrierearmen Arbeitens wird daher letztendlich immer von der Zielgruppe der Internetseite abhängig sein.

Für Bayern gilt im Übrigen seit 01.01.2007 die Bayerische Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik (BayBITV), die sich an den Grundzügen der Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung (BITV) orientiert. Demnach müssen neue Angebote von Trägern öffentlicher Gewalt barrierefrei umgesetzt werden. Für bestehende Webauftritte gelten humane Übergangsfristen. Ausnahmen bestehen bei finanziellen, wirtschaftlichen oder verwaltungsorganisatorischen Unverhältnismäßigkeiten. Dennoch sollte man bei einem neuen Webauftritt die barrierefreie Umsetzung in Erwägung ziehen. Die Vorteile sprechen hier für sich.

Auf zwei Mythen sollte im Rahmen von barrierefreien Webseiten noch kurz eingegangen. Das Gerücht, dass Barrierefreiheit mit Langweiligkeit gleichzusetzen ist, kann an zahlreichen Beispielen widerlegt werden. Durch die Trennung von Layout und Inhalten ist man bei der Gestaltung grundsätzlich sehr frei, lediglich ein übermäßiger Einsatz von Flash-Elementen ist nicht möglich. Dies kommt jedoch in der Regel der Benutzerfreundlichkeit zugute.

Die weit verbreitete Annahme, dass barrierefreies Webdesign extrem teuer ist und sich nur selten rechnet kann ebenfalls widerlegt werden. Richtig ist, dass der einmalige Aufwand in der Regel höher liegt als bei einer „normalen“ Seite. Aufgrund der verwendeten Technologien und der damit schnellen Ladezeiten reduziert sich in der Folge jedoch sowohl der Traffic auf dem Webserver als auch der Wartungsaufwand was mittelfristig zu deutlichen Kosteneinsparungen führt. Durch die Trennung zwischen Layout und Content kann eine spätere Änderung oder Anpassung des optischen Erscheinungsbildes jedoch mit vergleichsweise geringem Aufwand erfolgen. Die Technik im Hintergrund sowie die Inhalte bleiben vollständig erhalten. In diesem Zusammenhang sollte auch noch erwähnt werden, dass derartige Webseiten zu einer allgemeinen und nachhaltigen Qualitätsverbesserung führen und dadurch zu einem spürbaren Imagegewinn führen.