Menu Content/Inhalt
Web-Artikel arrow Heim und Familie arrow Gibt es noch Mondphasenholz?
Gibt es noch Mondphasenholz?
Geschrieben von Elke Lohre   
Monday, 23 April 2007

Es gibt alte Überlieferungen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt geschlagenes Holz weitaus bessere Eigenschaften als normales Holz hat. Stimmen solche Annahmen? Dafür gibt es Gegner und Befürworter.

Es gibt alte Überlieferungen, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt geschlagenes Holz weitaus bessere Eigenschaften als normales Holz hat. Stimmen solche Annahmen? Dafür gibt es Gegner und Befürworter.

Wie und wann wird dieses „Mondholz“ oder „Mondphasenholz“ geschlagen? Zum ersten handelt es sich bei diesem „Mondholz“ nur um auf kargem Boden langsam gewachsene Stämme, die ein relativ hohes Alter erreicht haben. Diese werden im Winter zwischen abnehmendem Mond und Neumond geschlagen, und zwar so, dass sie mit dem Wipfel bergab liegen. Die Äste bleiben noch bis zum Frühjahr am Baum, so werden die letzten Säfte in die Äste geleitet und der Stamm ist dann nach dem Entasten sehr trocken. Nun folgt die Weiterverarbeitung im Sägewerk. Vor allem in Süddeutschland und Österreich soll diese Art des Schlagens noch praktiziert werden.

Dieses „Mondholz“ soll besonders trocken, rissfrei und unempfindlich zum Beispiel gegenüber Fäulnis oder Schädlingen sein. Auch der Witterung gegenüber soll es sehr beständig sein. Ebenfalls soll es nicht brennen, sondern nur an der Oberfläche verkohlen. Für ein modernes Holzhaus hieße ein Einsatz solcher Bohlen und Bretter, dass Strahlung besonders stark gedämpft würde, ebenso ein hohes Wärmespeichervermögen und eine gute Wärmedämmung. Dazu käme ein längerer Widerstand gegen Feuer.

Die wissenschaftliche Fachliteratur ist da jedoch anderer Meinung. Viele dieser Thesen wurden direkt am Holz geprüft, und es konnte nicht nachgewiesen werden, dass das „Mondholz“ hier bessere Eigenschaften aufweist. Analysen und Untersuchungen haben ergeben, dass für diese besondere Art des Holzschlagens historisch andere Gründe vorlagen, die nur mittlerweile in Vergessenheit geraten sind. So kann dies mit dem örtlichen Klima, der geographischen Lage oder besonderen regionalen und fürstlichen Gesetzen zusammenhängen.

Und selbst wenn etwas am „Mondphasenholz“ dran wäre, wäre es für den Hausbau nur sehr aufwändig zu beschaffen. Denn ein Hersteller fertigt ja nicht nur ein einziges Blockhaus oder Fertighaus, und dies genau zu einer bestimmten Mondphase im Winter. Für ein Blockhaus werden im Schnitt 1500 Meter Blockbohlen benötigt, und viele hundert Häuser werden im Jahr von den meisten Firmen hergestellt. Selbst bei angenommenen Vorteilen könnte dieser Bedarf nicht mit dem „Mondholz“ gedeckt werden. Zumal auch für ein herkömmliches Blockhaus Holzarten verwendet werden, die relativ langsam gewachsen und alt sind, und so hervorragende widerstandsfähige Eigenschaften aufweisen.