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Kirschkernkissen
Geschrieben von Bernfried Warning   
Sunday, 17 September 2006

Kirschkernkissen haben als Wärmflaschenersatz eine lange Tradition, die bis weit ins Mittelalter zurück reicht. Schon im Frühmittelalter machten sich die Menschen die wohltuende und heilende Wirkung eines Kirschkernkissen zu nutze. Man entdeckte bei archäologischen Ausgrabungen in der westfälischen Stadt Münster in einer mittelalterlichen Abfallgrube die Überreste eines Kirschkernkissens. Man fand insgesamt rund 400 g Kirschkerne, die wohl in einem Baumwoll- oder Leinensäckchen eingenäht waren. Erwärmt wurden diese Säckchen dann wohl auf Kachelöfen und dann auf die schmerzenden Körperstellen gelegt.


Heute werden Kirschkernkissen sehr gerne bei der Linderung von den sogenannten Drei-Monats-Koliken bei neugebohrenen Säuglingen eingesetzt. Kurz in die Mikrowelle oder in den Backofen gelegt und auf die gewünschte Temperatur gebracht, werden sie aufs Bäuchlein des Säuglings gelegt und lindern den Schmerz. Aber auch als reguläre Wärmflasche findet ein Kirschkernkissen seinen Einsatz. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen, mit heißem Wasser gefüllten Wärmflasche besteht beim Kirschkernkissen keinerlei Gefahr des Verbrühens.

Etwas weniger bekannt ist die Einsatzmöglichkeit als Kühl-Akku. Einfach das Kirschkernkisse, verpackt in einer Plastiktüte in die Gefrierkühltruhe oder das Gefrierfach des Kühlschrankes gelegt - so hat man immer ein Kühl-Akku zur Hand. Das Kühl-Akku kann man wunderbar einsetzen bei kleineren Prellungen oder Insektenstichen.

Der Wärme- bzw. Kühleffekt beruht auf der physikalischen Eigenschaft des Kirschkernes, Wärme bzw. Kälte sehr schnell aufzunehmen, zu speichern und dann diese über einen langen Zeitraum gezielt wieder abzugeben. Hinzu kommt ein angenehmer Massage-Effekt, der sich aus der Grobkörnigkeit des Kirschkernes ergibt.

Aber auch in einem anderen Bereich finden Kirschkerne heute heilende Anwendung. In der Ergotherapie mit behinderten bzw. entwicklungsverzögerten Kleinkindern, werden zunehmend sogenannte Kirschkernkisten eingesetzt. Der Ergotherapeut befüllt dazu große Holzkisten mit losen Kirschkernen und versteckt kleine Alltagsgegenstände in den Kirschkernen. Die Kinder werden dann regelrecht in die Kiste voll mit Kirschkernen gesetzt und sollen diese Gegenstände suchen, ertasten und erraten. So wird die Wahrnehmungsfähigkeit auf spielerische Art und Weise geschult.